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Informationen Palliativ Zug - Aktuelles im Juli

Informationen Palliativ Zug - Aktuelles im Juli
Palliativ Zug

Aktuelles im Juli 2026

Liebe Mitglieder des Vereins, sehr geehrte Interessierte

 

Bevor wir uns in die Sommerpause verabschieden, melden wir uns mit einem Rückblick auf das erfolgreiche erste Podium unserer Veranstaltungsreihe in Rotkreuz, mit Neuigkeiten aus der Politik und Vorinfos auf kommende Anlässe.

 

Mehr als 120 Personen haben die Veranstaltung "Mein Tod, meine Entscheidung!?" in Rotkreuz besucht. Das Thema bewegt! Auch wenn die Beschäftigung mit der eigenen Endlichkeit nicht einfach ist, verstehen immer mehr Menschen die Wichtigkeit, sich Gedanken bezüglich Vorstellungen und Wünsche für die letzten Tage zu machen und diese auch im engsten Umfeld zu kommunizieren. Dies freut uns sehr, denn eine der Hauptaufgaben des Vereins ist es, die breite Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und damit das Tabu "Sterben und Tod" zu brechen. Besuchen auch Sie einen unserer Anlässe in Baar oder Unterägeri und nutzen die Gelegenheit, Inputs und Anregungen von Fachpersonen zu erhalten!

 

Nun wünsche ich Ihnen einen wundervollen Sommer, viele schöne Momente draussen in der Natur und ab und zu - falls nötig - etwas Abkühlung...

 

Herzliche Grüsse, 

Daniela Bussmann, Geschäftsstellenleiterin

 

PS: Die Geschäftsstelle bleibt vom 20. Juli bis zum 3. August geschlossen.


Palliative Care in der Politik des Bundes

Am 12. Juni beschloss der Bundesrat, die Beiträge der obligatorischen Krankenkasse (OKP) an Pflegeleistungen der Spezialisierten Palliative Care in Pflegeheimen und im mobilen Dienst für zu Hause erbrachte Leistungen zu erhöhen. (Medienmitteilung)

 

Ursprünglich war eine Erhöhung der Vergütung im Rahmen der einheitlichen Finanzierung erst ab 2032 vorgesehen. Sie hätte auch Leistungen der mobilen Palliative Care mit eingeschlossen. Der Bundesrat hat jedoch im Juni 2025 in seinem Bericht zur Motion "Angemessene Finanzierung der Palliative Care" festgehalten festgehalten, dass diese Pflegeleistungen der Spezialisierten Palliative Care derzeit nicht ausreichend gedeckt sind. 

 

Der aktuelle Beschluss tritt zum Januar 2027 in Kraft und wird auch dem Fachbereich Palliative Care der Spitex Kanton Zug zugutekommen. 

 

Die Dachorganisation palliative.ch begrüsst diese Entscheidung als einen ersten wichtigen Schritt zur teilweisen Entschärfung bestehender Finanzierungslücken. Es seien daneben weitere Anstrengungen erforderlich, damit "langfristig eine qualitativ hochwertige, flächen- deckende und für alle Betroffenen zugängliche Versorgung sichergestellt werden [kann]." (Stellungnahme von palliative.ch vom 13. Juni 2026)


Rückblick – "Mein Tod, meine Entscheidung!?" Anlass Rotkreuz

Im gut besuchten Chäsisaal in Rotkreuz diskutierten am 2. Juni vier Fachpersonen unter der Moderation von Thomas Hausheer übers Sterben und die Bedeutung eines guten Lebensendes.

 

Der Palliativmediziner Luca Emmenegger informierte, dass seine Arbeit vor allem darauf abzielt, die Lebensqualität schwerkranker Menschen zu verbessern. Er betonte die Wichtigkeit einer Patientenverfügung, damit Wünsche am Lebensende bekannt sind. Besonders ältere Menschen würden das Thema Tod oft vermeiden, was Angehörige später belasten könne.

 

Daniela Nietlispach von der Sterbehilfeorganisation Exit erklärte, dass sich viele Mitglieder schon früh mit ihrem Lebensende auseinandersetzen.

Vor einer Freitodbegleitung werde stets geprüft, wie ernst der Sterbewunsch ist und ob es Alternativen gibt.

 

Nadia Dietiker von der Spitex Zug berichtete, dass viele Menschen zu Hause sterben möchten und dabei spezialisierte Palliative-Care-Teams Unterstützung leisten. Dabei werden nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihre Angehörigen begleitet und geschult.

 

Der reformierte Pfarrer Jörg Leutwyler begleitet Sterbende seelsorgerisch und spricht mit ihnen über Sinnfragen des Lebens. Er ist der Meinung, dass die Gesellschaft ihre Endlichkeit stärker akzeptieren und sich bewusster mit dem Tod auseinandersetzen sollte.


(v.l.n.r. Jörg Leutwyler, Daniela Dietlispach, Thomas Hausheer, Nadia Dietiker, Luca Emmenegger)

Nach dem Podiumsgespräch standen die Fachpersonen für Fragen des Publikums zur Verfügung. Auch beim anschliessenden Apéro wurde munter weiterdiskutiert. Wir haben uns sehr über das grosse Interesse gefreut und danken den zahlreichen Anwesenden für ihr Kommen.

Weitere Daten der Veranstaltung sind:

Dienstag, 25. August 2026 im Schwesternsaal in Baar (Flyer)

Mittwoch, 2. September 2026 im Sonnenhof in Unterägeri (Flyer)


Ausblick – Zuger Palliativ Forum und Netzwerklounge 3

Das Zuger Palliativ Forum findet am 10. September 2026 im Kantonsspital Zug statt. PD Dr. med. PhD Jürg C. Streuli, Medizinethiker, Palliativmediziner, Kinderarzt und Geschäftsführer der "Stiftung Gesundheitskompass" wird unter dem Titel "Und jetzt? Ethische Fragen am Lebensende" referieren.

 

Für die Gestaltung der Netzwerklounge 3 vom 19. November 2026 konnten wir Dr. med. Markus Minder, Ärztlicher Direktor, Co-Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin und Palliative Care am Spital Affoltern am Albis, gewinnen. Sein Vortrag wird die "Ernährung bei chronisch progredienter Erkrankung" thematisieren.


Die Anlässe richten sich an Fachpersonen, separate Einladungen folgen zu einem späteren Zeitpunkt.


‍Buchtipp

"So sterben wir" von Roland Schultz

Unser Ende und was wir darüber wissen sollten

Keine leichte Kost, die detailreiche Recherche des Autors und Journalisten Roland Schulz; und gleichzeitig faszinierend in der Akribie der wissenschaftlichen Betrachtung. Schulz wollte Tod und Sterben im Detail beschreiben und befragte dazu all diejenigen, die im "Dunstkreis des Todes" arbeiten. Um die Individualität dieses Prozesses abzubilden, wählte er eine besondere Perspektive: Er beschreibt den gesamten Prozess verdichtet in Form von vier Beispielen "Otto Normal-Sterbender": einer alten Dame im Pflegeheim, einem fünfjährigen leukämiekranken Kind im Hospiz, einem jungen Mann, der den Folgen eines Sturzes vom Baugerüst erliegt – und von DIR. Ja, genau. Er spricht den Lesenden direkt an und skizziert Szenen in seinem Umfeld. Natürlich auch das exemplarisch und – wie er zugibt – vielleicht in allzu hoffnungsfrohen Szenarien, davon ausgehend, dass uns Menschen nahestehen und am Ende in Frieden und Zugewandtheit unser Sterben begleiten

Schulz belässt es nicht dabei: Neben dem ersten Teil, der dem STERBEN gewidmet ist, beschreibt er im Kapitel TOD die 10 Tage im Leben eines Menschen, die gemäss seiner Recherche am meisten reguliert und in Vorgaben eingefasst sind. Es geht um Organisation und Verwaltung, also den "gesellschaftlichen Tod".

 

Etwas ausserordentlich Einfühlsames gelingt ihm mit dem dritten Kapitel zu TRAUER, das die Vielfalt und Vielschichtigkeit des Trauerprozesses beschreibt und die Menschen in den Fokus rückt, die einen Verlust erlitten haben. Dass wir als nicht direkt Betroffene oft schnell zum Alltag zurückkehren, ordnet er ein als intuitive Versuch, uns vor der eigenen Endlichkeit zu schützen. Von Trauernden zu verlangen, dass das Klagen ein Ende haben muss, dass Trauer doch vorübergeht und das Leben weitergehen muss – das sei nicht in Ordnung. Schulz gelingt es, bei aller Individualität die Abgründe zu beschreiben, in die Trauernde geraten können, was sie alles betrauern und wie sie es tun, wie es sie nicht nur seelisch, sondern auch körperlich aus der Balance bringt. 

 

Ein sehr starker Abschluss eines wirklich empfehlenswerten Buches, das uns ein paar Einblicke und Einsichten zum Lebensende erhaschen lässt. Denn letztlich – so Schulz' Fazit – bleibt dem Sterben etwas Unbegreifliches.

ISBN: 978-3-492-31621-7 

P‍iper Verlag GmbH, 2023


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